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24h Regatta Brombachsee

SOUND ON/OFF     Goodride

Am Sonntag Abend sind wir komplett übermüdet zurückgekehrt. Die erste Regatta der Wilde Ente. 24h Regatta Brombachsee, organisiert durch den 1. WSC. Hier mein Bericht.

Was geschah zuvor.

Weil ich immer wieder Probleme mit dem Code 0 hatte, habe ich mir einen neuen Code 0 bei Fareastsails in HongKong bestellt. Die ganze Abwicklung lief einwandfrei und das Lieferdatum vor der 24h Regatta Brombachsee war erreichbar. Mein altes Tuch, das mir bei leichten und mittleren Winden immer genialen Speed gebracht hat (7 kn nach GPS in Italien) habe ich natürlich gleich mal in die Kleinanzeigen gesetzt. Ich hatte nicht wirklich damit gerechnet das das Segel in Windeseile weg geht. Naja egal, das neue Segel ist bereits im Fedex Tracking sichtbar und wird pünktlich ankommen.

Freitag – der Tag vor der 24h Regatta

Die Crew kommt an. Jens und Frank kommen aus Düsseldorf und Hamburg um Spaß zu haben. Klar wissen wir das wir mit nem Yardstick von 113 kein atemberaubendes Meilen-Ergebnis einfahren. Klingeling und der Fedex Mann überreicht mir ein Paket.

Aufgerissen und reingeschaut. Ich hätte Zeder und Mordio schreien können. Die haben den Code Zero ohne Torsionsleine gebaut. Zum klassisch anschlagen und nicht rollen. Absolute Katastrophe. Ohne Rollen ist ein Kreuzen nicht wirklich möglich. Ich ärgere mich und schreibe eine Mail nach HongKong. Ein Zitat aus der ersten Antwort bleibt und wird zum Running Gag. „Peter, we stand behind you!“

Ok, dann eben ohne Code 0 und nur mit der kleinen 8 m² Arbeitsfock.

Bei der Anreise steigert sich unsere Vorfreude und wir kommen gut gelaunt am Steg an. Die Ente klar gemacht und ablegen. Erst mal die Segel checken. Den Code 0 angeschlagen, ein echter Beschleuniger. Aber das An-Abschlagen auf dem kleinen Vordeck der Ente geht einfach nicht. Nicht dran zu denken das Nachts oder bei heftigem Wind zu tun.

Einen Spinnaker haben wir auch an Bord. Einen kleinen Spinnaker. Der war eigentlich zum Testen gedacht ob sich ein Spi und die Bedienung auf der Ente gut macht. Viel zu klein um Performance zu liefern aber hey ein Spi.

Die Besprechung zur 24h Regatta Brombachsee beim 1. WSC zusammen mit den anderen Seglern hat Spaß gemacht. Ein lustiges Völkchen, durchzogen von ein paar ehrgeizigen aber sympathischen Rennziegen-Seglern (Melges etc.). Wir ahnen bereits das unser Boot nicht die geringste Chance hat.

Noch 30 Minuten bis zum Start. Wir sind dabei alles nochmals herzurichten und uns vor zu bereiten. Dann kommt der Wind, mächtig Wind. Der Windmesser zeigt bis 20 Knoten und wir müssen direkt vor dem Start reffen.

Jens ziWP_20150718_002eht das erste Reff an. Man hätte auch checken können ob es am Baum festgemacht ist. Ich rufe, nein ich schreie STOP. Zu spät, die Reffleine ist in den Baum gerauscht und weg. Keine Chance sie ohne Tools wieder durchzuschieben. So ein sch…..

Der Wind wird noch stärker, ab ins zweite Reff. Diesmal erstmal gecheckt, am Baum geknotet und Segel ins 2. Reff runter.

RaaaaatSCH! 

Als wir das Reff anzogen haute eine Böe ins Segel und die Kausch die die Reffleine am Segel befestigt, reißt aus. Die Leine reißt das Segel bis zur Latte runter auf und ich bin kurz vor dem Explodieren.

Der Start ist bereits durch. Wir gehen mit gerissenem Groß im 2. Reff und 8m² auf die Reise der 24h Regatta Brombachsee.

Der Wind hielt die ersten 2 Stunden an und wir entschlossen uns trotzdem nach 1,5 Stunden raus aus dem Reff und Vollzeug. In diesem Moment wurden wir bereits das erste mal überrundet. Unsere Egos sind erwachsen genug das wegzustecken.

 

Der Wind geht auf erträgliche 10 Knoten zurück und wir kreuzen was das Zeug hält. Höhe laufen ist anscheinend nicht die beste Eigenschaft der Ente und man sieht den Verlust pro Schlag. IdR brauchen wir pro Boje 1-2 Schläge mehr als die Rennziegen. Wir segeln ständig bis ans Maximum am Wind, Fock fällt ein und wir verlieren Höhe. Ich würde es ja anderst segeln aber ich bin nicht an der Pinne.

Der Wind ist nun bei ca. 5-6 Knoten und ich vermisse meinen alten Code 0 sehr. Die Etap läuft bei 5 Knoten noch nicht wirklich an. Mit Code 0 sind bei 5-6 Knoten Wind gut 4,5 Knoten Speed drin. So tümpeln wir mit 2-2,5 Knoten und sehen den anderen zu wie sie ihre fetten Beschleuniger setzen. Der erste Gedanke an ein neues Boot schießt mir durch den Kopf. Aber hey, die sind schnell, wir haben bequem Platz unter Deck, 4 gemütliche Betten und … nein, ich hör auf damit.

Es dämmerte und mit der Dämmerung schlief auch der Wind ein. Er schlief tief und fest. Ab und zu ein Schnarcher und wieder zeigte der Windmesser 0.0 Kts.

Ich übernahm die erste Wache und übte mich im Stehen. Für ca 0,6 Meilen brauchte ich in den 3,5 Stunden meiner ersten Wache nicht wirklich viel zu tun. Ein Blick nach rechts, nach 20 Minuten noch ein Blick nach rechts und zweimal das selbe Lagerfeuer auf gleicher Höhe. Die anderen Boote bewegten sich quasi nicht. Man sah nur die Positionslichter, ein Stilleben.

So ging es durch die Nacht. Ich schlief kaum während Jens und Frank ganz gut mit den Matratzen zurecht kamen. Ich dachte zu viel an die Segel, an den Riss und ärgerte mich am meisten über mich selber.

Am Morgen gabs wieder ein wenig Wind. Ich war wohl doch eingenickt als mich das Rattern der Winden weckte. Jens wirbelte an Deck als wären es 5 Beaufort. Hmmh, keine Krängung. Ein Blick nach außen, fast kein Wind aber der Versuch eines Matchraces gegen zwei Rennziegen. Nach der Tonne machte es „Pfooopp“ „Pfooopp“ und die beiden hatten ihre Gennaker gesetzt. Jens schaute etwas neidisch hinterher.

Wachablösung und Frank übernahm die Pinne. Ich gesellte mich recht früh dazu weil schlafen war irgendwie nimmer.

Der Wind frischte auf und eine Zeit lang hatten wir Druck in den Segeln und konnten die Morgenstunden genießen. Die Orga des WSC brachte und Kaffee per Zodiak und irgendwie waren die ersten Qualen vergessen. Als der Wind wieder einschlief waren wir auf halber Strecke zur östlichen Tonne beim ehemaligen Pleinfelder Hafen. Neben uns ein Boot das nicht an der Regatta teilnahm aber trotzdem bereit war, ohne es abzusprechen, ein Matchrace zur nächsten Tonne mitzumachen.

Das Zeitlupen Matchrace!

0.1 Knoten Wind gaben beiden die Möglichkeit alles aus dem Boot herauszuholen. Der Wind drehte ständig um 180 Grad. Aus Luv wurde Lee aus Vorfahrt wurde Raum geben. Sehr lustig und wir unterhielten uns sehr sngeregt mit dem Kollegen an Bord des anderen Bootes. Kurz vor der Tonne, wir hatten Vorfahrt, ein Auffrischen des Windes und das kleinere Boot mit seinen 400 Kilo machte einen Satz und eine Halse um die Tonne währen wir gerade so am loszuckeln waren. Was ein Ärger. Aber nach 100 Metern hatten wir ihn und der auffrischende Wind beschleunigte uns im Rahmen der Möglichkeiten.

Der Wind nahm stetig zu und wir machten gut Fahrt. ein Halbwind Schlag neben zwei Melges zeigte das wir auf halbem Wind Kurs nicht so schlecht liefen. Bei 10 Knoten Wind waren wir annähernd identisch im Speed. Höhe laufen auf Am Wind war ebenfalls im selben Winkel möglich. Hat saumäßig Spaß gemacht zu sehen das die Nußschale doch was drauf hat.

Der Wind nahm wieder zu und es zog eine Regenfront auf. So wie der Himmel aussah dürften wir in keinen 30 Minuten nass werden. Ich sagte den Jungs, Ölzeug und Westen und erzählte wie das so ist am See. Wind, dann kommt der Regen, der Wind schläft ein und dann kommt sie, die Monsterbö.

Wir zogen uns an, der Wind schlief ein und der Regen kam, er kam aus Eimern oder C-Schläuchen und Bäääääääsch, die Monsterbö kam wie geplant. Die Ente legte sich sanft aufs Wasser, kam wieder hoch und wir refften mit Seilen und ab ging die Lutzi. Windgeschwindigkeiten in den Böen bis zu 37 Knoten laut Windmesser eines Kollegen. Ich hatte maximal 28 Knoten auf unserem Windmesser gesehen, hatte aber alles andere zu tun als da drauf zu schauen. Die kommenden Minuten waren echt heftig aber ich war trotzdem erfreut das die Ente das mitmachte. Als der Regen dramatisch zunahm haben wir uns kurz besprochen und wir unterbrachen die Regatta. Ab in den Ramsberger Hafen und festgemacht. Ins Häuschen des WSC und erstmal nen Kaffee getrunken und nen Sanistopp eingelegt.

Nach einer Stunde hörte der Regen auf, wir haben abgebrochen. Es gab ja eineiges zu tun, Segel abschlagen, aufräumen und und und. Wir motorten zurück nach Enderndorf und packten zusammen.

Zurück im 1. WSC zur Siegerehrung applaudierten wir den Gewinnern und nahmen unseren Preis entgegen. Bis auf den dämlichen Witz des Moderators (Chefs?), in Unkenntnis der Ereignisse, mein Boot eine „Lahme Ente“ zu nennen, war alles ganz nett.

Ich freu mich schon auf das Video meines Stegkollegen Gerald der auf Franks schöner „Varuna“ mitgesegelt ist.

In diesem Sinne „Ein Hoch auf uns alle!“

Der Song Good Ride ist von der geilen Band Madeira Cake

Facts:

24h Regatta Brombachsee

Distance: 45,1 NM

Moving time: 18:35

Average speed: 1,9 kn

Avg. Speed Mov.: 2,4 kn

Max. Speed: 6,6 kn

Am See

Der Brombachsee ist unspektakulär dachten wir. Nach zwei Wochenenden hat sich unsere Sicht bereits etwas verändert. Die Umgebung, die wirklich schönen Ortschaften ringsum, die vielen Biergärten 🙂 nebst wirklich leckerem Spalt Bier, der See selbst und „unser“ Steg. Natürlich darf man hier auch Leckeres aus dem Elsass trinken. Passend zur Stimmung eben.

_PKL2491 _PKL2493Wie sagte Frank, die gute Seele des Stegs, „wir sind hier ja als Trinker-Steg verschrieen“. Ok, ich wiederhole mich, alles richtig gemacht ;).

Matrose.