Segelkleidung – Alles nur nicht nass werden

Segelbekleidung ist ein heißes Thema in der Seglercommunity. Da gibt es den Dinghi-Segler der einen echten und verständlichen Bedarf an hervorragender Schutzkleidung hat. Den Regattasegler auf Kielbooten der für jedes WWW (Wind Wetter Welle) gewappnet sein sollte bis hin zum Karibik Segler der eigentlich nur ne Badehose bräuchte.

Aber in jedem dieser Bereiche ist das Band der Möglichkeiten wirklich enorm. Von billig über preiswert bis hin zu atemberaubend teuer.

Diese Seite werde ich je nach Erfahrung fortführen, verändern, eventuell meine Meinungen revidieren. As time goes by.

Eins hat Segelbekleidung oft gemeinsam, die Uninformiertheit. Was bei einer Regatta aus Werbezwecken und Teamgeist vielleicht noch Sinn macht, wird am Steg der Schönwetter Freizeitsegler oft zur echten Lachnummer. Aber so einfach ist es gar nicht, nicht aufzufallen.

Klar, bei schönem Wetter und Sonnenschein braucht es nicht viel bis nichts plus eine Rettungsweste um an Bord passend gekleidet zu sein. In unseren Breiten sind diese Tage an zweit Händen abzählbar. Sobald etwas Wind herrscht beginnt man zu frieren oder unbemerkt auszukühlen. In den ersten Segeltagen des Jahres führt das schnell zu Erkältung, Halsschmerzen und endet mit Kamillentee.

Jetzt bin ich nicht der mit allen Wassern gewaschene Segler, verfüge nicht über 2/3 Leben an Segelerfahrung aber, ich habe bereits einiges ausprobiert. Neben dem ausprobieren steht natürlich die Recherche zu Segelbekleidung in den diversen Foren, Fachzeitschriften und unter Seglern selbst.

„Das Musto HPX ist das beste was ich jemals hatte“

„Nie wieder Musto HPX, ist überteuerter Schrott“

Beides Aussagen von zwei erfahrenen Seglern. Beides keine Regattasegler (Annahme) aber dennoch gibt man 1000 Euro aus um sich mit dem, laut Werbung, besten zu kleiden was ein Segler tragen kann. Ja aber wieso ist das dann für den einen Schrott.

Was macht eine gute Segelkleidung aus?

Eigentlich einfach. Wasserdicht muss sie sein, Atmungsaktiv soll sie sein, winddicht muss sie sein, Bewegungsfreiheit sollte sie bieten, haltbar sollte sie sein. Am Ende steht natürlich noch der Preis.

Wasserdicht ist ja ganz einfach! Jeder kennt ihn, den Friesennerz. Über Jahrzehnte, gar Jahrhunderte war er die Nummer eins auf Booten und bei Schietwetter. Dicht aber null atmungsaktiv, eine Bewegungsfreiheit wie eine Bratwurst aber haltbar.

Damit ein Stoff atmen kann müssen verschiedene Funktionen gegeben sein und die Umgebung muss passen. Wasserdampf kann nur durch einen Stoff austreten wenn die Luftfeuchtigkeit erheblich unterschiedlich ist. Sprich in Thailand zur Regenzeit bringt Gore Tex nichts. Man schwitzt aber die Luftfeuchtigkeit in einem Shirt ist identisch wie außerhalb des Shirts, ein Austausch kann nicht stattfinden. So ist es schonmal schwierig bei Regen und starker Aktivität an Bord eine Segelbekleidung zu beurteilen. Das kann einfach nicht funktionieren.

Sind die Bedingungen ideal, dann zeigen Gore Tex, eigentlich Polytetrafluorethylen (ePTFE) und Co. was sie können. Bei diesen idealen Bedingungen ist die Luft ausserhalb der Jacke trocken und fast jede Techfaser schafft es die durch Schweiß produzierte Luftfeuchtigkeit rauszuschaffen. Und hier ist der Unterschied zwischen den etablierten Techfasern marginal. Gore Tex, Sympatex und wie sie alle heißen – viele taugliche Stoffe.

Die Lagen der Stoffe sind Siebe. Wassertropfen sind wesentlich größer als die Öffnungen, Dampf ist wesentlich feiner. Somit kann kein Wasser rein und der Dampf raus. Eigentlich ganz simpel. Und dennoch ist die Atmungsaktivität, also die Fähigkeit Dampf schnell und in ausreichendem Maße durchzulassen bei einigen Stoffen nicht so wie sie sein soll.

Eine gute Beschreibung findet sich im Outdoor Wiki.

Jetzt aber Segelklamotten!

Bei aller Uniformiertheit haben wir einiges an Kleidungsstücken der Marke Musto. Damit reihen wir uns klar in die Reihe der Uniformierten ein. Von wegen. Da gibts ja dann noch die Binnenseglerklamotten bis hin zu den Hochseevarianten. Ok, Wenn man mit Hochseeklamotten in sein H-Boot steigt um dann den 2 Km breiten See zu überqueren, dann wirkt das doch etwas lächerlich.

Deshalb die Jacke (und Hose) für jedes Wetter und jedes Revier und fast jeden Geldbeutel.

Musto im Binnenrevier.

Ich hatte bei uns am See bis dato Musto BR1, BR2, LPX im Einsatz. Bei Gill wäre das OS1, OS2, OS3 0.ä.. Bei den anderen Herstellern ist das System ähnlich und spätestens anhand des Preises zu ordnen. Ganz klar, BR2 ist maßlos übertrieben. Der hohe feste Kragen und die eingeschränkte Bewegungsfreiheit sind einfach nur hinderlich. Wenn ich keine längeren Strecken ohne Mannöver zurücklege, dann ist diese Schietwettermontur deplatziert. ZUmal an kleineren Seen bei Vollregen nicht gesegelt wird. Wird man überrascht, dann reffen die allermeisten schnell die Segel (könnten ja nass werden) und ab in den Hafen.

BR1 ist hier für mich die ideale Kombination fürs ganze Jahr außer den  gut gelaunten Sommer. Flexibler, flexibler Kragen, wesentlich bessere Bewegungsfreiheit. Wenn man bei der Wahl der Größe nicht schummelt passen auch noch 1-4 Zwiebelschichten drunter.

Wenn es dann ganz warm wird oder man ist eben nicht so verfroren und bewegt sich ordentlich auf dem Boot, ist LPX Race eine sehr gute Wahl. Die Jacken schränken nicht ein, das Gore Tex absolut wasserdicht und super atmungsaktiv. Es raschelt leider die erste Zeit echt stark, das gibt sich aber. Einziges Minus, der Kragen ist zu eng geschnitten. Wenn man dann doch einmal ein Flies mit Kragen drunter hat, dann engt die Jacke am Hals ein.

Alles viel zu teuer

Das sagte ich mir als ich mich nach Ausrüstung, für einen Nordseetörn im April auf einem amtlichen Racer, umgeschaut habe. MPX / HPX sowie die Pendants in der Segelbekleidung der anderen Hersteller sind allesamt mit hohen Preisen versehen. Ich schreibe bewusst nicht teuer, man muss sich so ein Kleidungsstück mal näher anschauen. Da steckt enorme Arbeit drin, das Material ist hochpreisig und am Schluß kommt noch der unvermeidbare Maritimzuschlag dazu. Die Alternative mit BR1 und 3 Lagen drunter zu segeln habe ich nach dem Studium der Wind- und Wetterstatistiken für April verworfen. Frieren oder nass werden und frieren geht gar nicht.

Kleiner Tipp: Schaut mal bei Wetsuitoutlet rein. Sehr gute Preise, schneller Versand, Retouren kein Problem.

Decathlon Tribord

Es gibt von vielen Vorbehalte gegen die „Billigmarke“ von Decathlon. Weil man ja als Segler eigentlich Geld haben sollte und da muss man es doch auch an den Klamotten raushängen lassen. Zum Glück ist das ein Vorurteil. Also nicht jenes, das Segler Geld haben, sondern das man es mit den Klamotten raushängen lässt. Denke eher das es einem einen professionellen Touch verleihen soll.

Die IMHO besten Segler bei uns auf dem See sind in Jeans und Pulli unterwegs!

Ja eigentlich….. aber die Nordsee ist was anderes. Ordentlich warme und funktionale Segelbekleidung ist hier Pflicht.

Tribord Ocean Blouson. Es ist eher ein Smock, also zum Überziehen mit Neopren Dichtmanschetten an Hals, Handgelenken und Fußgelenken. Ein drittel des Preises der „amtlichen“ Segelbekleidung. Wobei das nichtamtlich zu belegen wäre. Die Meinungen in der Community sind sehr gut, durchgängig gut. Im Vergleich liest man von den hochpreisigen Anbietern durchaus immer wieder Kritik. Oft fundiert und belegbar.

Ach so, da gibt es ja auch noch die Tests der Fachzeitschriften. Sie sind ein sicher nützlicher Wegweiser aber in Anbetracht der Bewertung ihrer Anzeigenkunden ist Skepsis immer ein guter Ratgeber.

Zu dem Blouson kann ich bisher nur sagen das es in der Dusche nur mal müde lächelt. Dicht. Bewegungsfreiheit ist mit dm BR1 vergleichbar. Kragen etc. natürlich ozeanisch hoch und dick aber alles sehr sehr ordentlich verarbeitet. Fühlt sich gut an und schaut auch noch gut aus. Ja das ist mir wichtig. Eitler Fatzke! 🙂

I´m Walking

Segelschuhe sind sau wichtig. Egal in welchem Revier oder bei welchem Wetter. Wer hat sich noch nicht barfuß die Zehen an irgendeinem Beschlag aber mal sowas von angedonnert. Von der Rutschfestigkeit ganz abgesehen. Schuhe müssen sein, außer man liegt vor Anker und genießt die Sonne und die Freiheit.

Crocs sind aktuell der Renner. Rutschfest, wetterfest, leicht, preiswert. Man hat Boots- und Stegcrocs und wenns etwas mehr Wind hat und man ist mal aktiver unterwegs, dann zieht man die Schuhe mit löchrigem Boden und Netz. Wasser rein, Wasser raus. Geschlossene Schuhe machen nur dann Sinn wenn kein Wasser in den Schuh eindringen kann. Neoprenschuhe mal außen vor aber wir sind hier ja auch nicht beim Tauchen/Surfen/Supen.

Wenns dann kalt und rau wird ist der gute alte Gummistiefel noch immer eine gute Wahl. Wer ihn nach wenigen Stunden ausziehen kann, der ist damit bestens bedient. Warme Socken rein und wohlfühlen. Wenn sie dann doch etwas länger an den Füßen bleiben, das Wetter und die Temperaturen doch noch ne Kante schlechter werden, ja dann sind Seglerstiefel angesagt. Hier gilt das Selbe wie für Jacken und Hosen. Von billig über gut bis zu teuer ist alles dabei.

Schenkt man dem aktuellen Yacht Test Glauben, dann sind die mit billigsten Stiefel, die Compass Stiefel, die besten. Ich finds gut und da stehen sie neben mir. Passgenau und recht angenehm. Bis dato noch nicht eingesetzt aber der April wird kommen und die Nordsee kann mich dann mal. Glaubt man der Community, dann ist es auch hier durchwachsen. Auch der 400,- Stiefel wird hier und da runter gemacht. Liegts wirklich am Produkt? Liegts an der Pflege? Man weiß es nicht und deshalb ist die eigene Erfahrung nur durch mehr eigene Erfahrung zu toppen.

Muss es immer Segelbekleidung sein?

Nein, vor allem der Base und der Midlayer einer funktionierenden Zwiebel kauft man wo es keinen Maritim Aufschlag gibt. Craft, Engelbert Strauss, Falke etc. Sehr gute, ich meine zumeist identische oder bessere Qualität als die Segelstöffchen. Trekking und Jogging Kleidung funktioniert seit fast 20 Jahren…..

Segelbekleidung
Creative Commons Lizenz – Autor Bild: Matthieu FAURE

Neue Hose!

Habe mir nun die Musto lPX Hose geleistet. Herjeh, noch etwas Fitness ist angesagt. Aber die Verarbeitung ist schonmal einwandfrei. Bin gespannt auf die nächste Regenfront 🙂